Vormünder nehmen eine zentrale Rolle im Betreuungsprozess von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein. Schon im Rahmen der Inobhutnahme des Jugendlichen durch das Jugendamt wird die Bestellung eines Vormunds eingeleitet. Dem Familiengericht wird innerhalb einer kurzen Zeit eine geeignete Person vorgeschlagen. In den meisten Fällen werden Amtsvormünder vorgeschlagen, denn obwohl das Jugendamt gefordert ist, geeignete Privatpersonen zu suchen und auszubilden, passiert dies relativ selten und in etlichen Kommunen so gut wie nie.

Auch die Bestellung des Vormunds verläuft nicht immer problemlos. Oft dauert es Monate, bis das zuständige Gericht eine Entscheidung fällt. Und in einigen wenigen Fällen ist es passiert, dass Richter_innen dem Jugendamt mitteilen, dass kein Vormund bestellt werde, da die Eltern des Jugendlichen noch leben würden und es mittels moderner Kommunikationstechnologie möglich sei die Personensorge auszuüben. Diese haarsträubende Argumentation zeugt wenig Verständnis für die intensive Arbeit, die für Vormünder von jungen Flüchtlingen verbunden ist. Es muss eine Unterbringung gefunden werden, ebenso wie eine Schule. Der Jugendliche ist auf sein Asylverfahren vorzubereiten und dort zu begleiten. Zugleich ist man als Vormund Anlaufstelle bei allen persönlichen Sorgen und Problemen.

Nicht alle Vormünder werden diesen Anforderungen gerecht. Dies ist nicht nur ein Problem im Flüchtlingsbereich, sondern betrifft alle Formen der Vormundschaft aus verschiedenen Gründen. Das Bundesjustizministerium hat deswegen eine Arbeitsgruppe "Familiengerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls" eingerichtet, die im September 2009 einen 2. Abschlussbericht dem Bundeskabinett vorgestellt haben. Dieser Bericht enthält in der Anlage auch ein Eckpunktepapier zum Reformbedarf in der Vormundschaft und Pflegschaft. Sollten die Vorschläge ihren Eingang in die Gesetzgebung finden, ist mit erheblichen Verbesserungen zu rechnen. 

 

Sie interessieren sich für Vormundschaften und suchen einen Ansprechpartner in Ihrer Nähe? Sie können sich mit dem Anliegen an Ihr Jugendamt wenden. Es hat die Aufgabe Vormünder zu gewinnen und zu qualifizieren. In ein paar Regionen existieren bereits Vormundschaftsprojekte für junge Flüchtlinge. Auch dort können sie sich beraten lassen:

Liste der Vormundschaftsprojekte (pdf.)

 


Weiterführende Materialien

 

Hocks, Stephan: "Vormundschaftsrecht. Voraussetzungen für die Bestellung eines Ergänzungspflegers bei Vormundschaften für unbegleitete Minderjährige.", erschienen in: Das Jugendamt. Zeitschrift für Jugendhilfe und Familienrecht, Hrsg.: Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht, Ausgabe 11/2015, Heidelberg, S. 578-582.

 

Herausforderungen und Chancen

Die unterschiedlichen Gesichter, die eine Vormundschaft haben kann, sind geprägt von vielfältigen Strukturen und gesetzlichen Vorgaben. Eine gelingende Vormundschaft setzt daher viel Gestaltungswille und -fähigkeit voraus. Sie stellt Herausforderungen und bietet Chancen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland.
Die Autorin Barbara Noske untersucht in einer umfangreichen Studie im Auftrag des Bundesfachverbands UMF die deutsche Vormundschaftslandschaft für UMF und entwickelt Handlungsleitlinien für die Arbeit als Vormund. Die Studie ist Teil des Projektes "Closing a protection gap", das in acht europäischen Ländern durchgeführt wird.

Zur Vormundschaftsstudie "Herausforderungen und Chancen" (2010)

 

Machen wir's den Mündeln Recht?

Perspektiven und Möglichkeiten der Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Um Vormünder für unbegleitete Minderjährige zu gewinnen und zu qualifizieren hat der Bundesfachverband UMF im Oktober 2008 eine Fachtagung ausgerichtet. Die Ergebnisse sind in einer Tagungsdokumentation festgehalten.

Zur Dokumentation "Machen wir's den Mündeln Recht?" (2008)